24FPS – Fotografie im Film

Ort: Luru-Kino in der Spinnerei. Leipziger Baumwollspinnerei, Spinnereistr. 7, 04179 Leipzig

Fotografie und Film sind untrennbar miteinander verbunden. Nach der Erstellung der ersten Fotografie im Jahr 1826 durch Joseph Niépce dauerte es noch etwa 50 Jahre, bis Eadweard Muybridge Fotografien eines galoppierenden Pferdes anfertigte. Es war das erste Mal, dass Bewegung fotografisch festgehalten wurde. 1895 dann stellten die Brüder Lumiéres ein Gerät vor, welches Filme nicht nur aufnehmen, sondern auch kopieren und vorführen konnte. Der Grundstein für den Kinofilm war gelegt.

24FPS – Fotografie im Film ist ein ehrenamtliches, europaweit einzigartiges Projekt von fotografie- und filmbegeisterten Menschen des Vereins „dienacht e.V.“, die allen Interessierten – unabhängig von der jeweiligen finanziellen Situation – Zugang zu verschiedenen fotografischen Themen ermöglichen möchten.

In unserem Programm decken wir die Vielfalt des Themas sowohl mit Dokumentar- als auch Spielfilmen ab, zeigen Portraits einzelner Fotograf:innen, bewegen uns zwischen sozio-politischen Themen, Geschichte, Kunst sowie Reportage und bemühen uns um Vielfalt aus allen Regionen der Erde.

24FPS – Fotografie im Film ist eine Filmreihe, die monatlich stattfindet. Filmemacher:innen und Expert:innen sind regelmäßig für einen Austausch zu Gast. Der Eintritt ist auf Spendenbasis.

Wir laden Euch ein, 24FPS – Fotografie im Film gemeinsam zu erleben und freuen uns sehr auf Euer Kommen!

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21. Juli 2026 um 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Eco de Luz – Light Memories

› Leipzig-Premiere

Der preisgekrönte Fotograf Misha Vallejo begibt sich auf eine zutiefst persönliche Reise und nutzt die Kamera seines verstorbenen Großvaters, um ein verlorenes Familienalbum neu zu erschaffen. Diese Suche schlägt eine Brücke zu einem Mann, den er nie kennengelernt hat, und setzt sich zugleich mit dem Fehlen von Familienfotografien und den Geschichten auseinander, die sie hätten erzählen können. In intimen Momenten mit seiner Großmutter erforscht Misha Themen wie die Abwesenheit des Vaters, Rassismus und soziale Diskriminierung, deckt verborgene Familiengeheimnisse auf und eignet sich Orte wieder an, die seinen Angehörigen einst verwehrt blieben. Seine Bilder fangen sowohl den Schmerz von Gewalt als auch die Flüchtigkeit der Erinnerung ein und eröffnen zugleich Hoffnung auf Verbindung und Heilung. Light Memories ist eine Reflexion über die Kraft der Fotografie, die Widerstandsfähigkeit von Familien und die Möglichkeit, Verlorenes zurückzugewinnen.

Ecuador, Deutschland 2024, 80 min, spanische und russische Originalfassung mit englischen Untertiteln | FSK: 6
Regie: Misha Vallejo Prut | Produzent: Mayfe Ortega Haboud
Fotos: Stills aus Eco de Luz

 

18. August 2026 um 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

World Between Us

› Deutschlandpremiere

Marie Tomanová, die auf einem kleinen Bauernhof in Tschechien aufwuchs, kam als Au-pair in die USA – ohne Netz, ohne Namen. Heute fotografiert sie für Nike und Vogue, porträtiert Stars wie Kim Gordon und Jeremy Allen White.

Die tschechische Regisseurin Marie Dvořáková, selbst Emigrantin und Student-­Oscar-Preisträgerin, begleitete ihre Landsfrau fünf Jahre lang mit der Kamera – intim, ungeschliffen, nah. Der Film verzichtet auf das Vokabular konventioneller Erfolgsgeschichten: Statt geordnetem Aufstieg zeigt er Zweifel, Erschöpfung und die Spannung zwischen künstlerischer Integrität und Marktdruck. Eine zentrale Rolle spielt dabei Thomas Beachdel, Kunsthistoriker und Lebenspartner – Mentor, Anker und Kommentator zugleich, dessen Blick von außen Tomanovás Weg in einen größeren Zusammenhang von Kunst und Identität stellt.

Tschechische Republik, Slowakei 2025, 93 min, englische und tschechische Originalfassung mit englischen und tschechischen Untertiteln | FSK: 12 (Eigeneinschätzung)
Regie: Marie Dvoráková | Mit: Marie Tomanová, Thomas Beachdel
Fotos: Evolution Films

 

15. September 2026 um 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Baldiga – Entsichertes Herz

West-Berlin 1979. Jürgen Baldiga, Sohn eines Essener Bergmanns, ist gerade in die Stadt gezogen und beschließt, Künstler zu werden. Er arbeitet als Stricher und Koch, schreibt Gedichte und Tagebuch. Mit seiner HIV-Infektion entdeckt er 1984 die Fotografie. Seine Bilder sollen die Zeit anhalten und die Wirklichkeit einfangen: Sie zeigen seine Freunde und Lover, wilden Sex und das Leben auf der Straße und immer wieder die lustvollen Tunten des Schwulenclubs SchwuZ, die zu seiner Wahlfamilie werden. Zwischen Verzweiflung und Begehren, Auflehnung und unbändigem Überlebenswillen wird Baldiga im Angesicht des nahen eigenen Todes zum Chronisten der West-Berliner Subkultur. Als er 1993 im Alter von 34 Jahren stirbt, hinterlässt er tausende Fotografien und 40 Tagebücher – ein einzigartiges künstlerisches Vermächtnis.

Der Film ist ein Porträt eines radikalen und komplexen Künstlers – und der sagenumwobenen schwulen West-Berliner Szene der 80er und frühen 90er Jahre, die Baldiga so einfühlsam und authentisch fotografisch einfing wie niemand sonst.

Deutschland 2024, 92 min, deutsche Originalfassung | FSK: 16
Regie: Markus Stein | Drehbuch: Ringo Rösener 
Fotos: Jürgen Baldiga

 

20. Oktober 2026 um 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Make it Look Real

› Leipzig-Premiere

„Es muss echt aussehen“, drängen die Kunden eines pakistanischen Fotostudios den Fotografen. Sie wollen Bilder von sich mit Waffen oder auf Motorrädern – Dinge, die sie nicht besitzen. Also werden ihre Fotos auf Stockbilder montiert: eine verkaufte Lüge, die zugleich echte Träume offenbart.

Fotojournalist Danial Shah nutzt das Falsche, um Wahres sichtbar zu machen. Während ein Fotograf Bilder retuschiert, sprechen sie über Colorismus, den Wunsch auszuwandern und den Völkermord an den Hazara.

Der eine lebt von gefälschten Fotos, der andere verkauft realistische Aufnahmen an Zeitungen wie die New York Times. Trotz gegensätzlichem Umgang mit der Realität verschwimmen die Grenzen: Sie richten die Kameras aufeinander – und werden so zum Gegenstand der Arbeit des jeweils anderen.

Pakistan, Belgien, Niederlande 2024, 68 min, Paschtu, Urdu, Hazargi Originalfassung mit englischen Untertiteln | FSK: 12 (Eigeneinschätzung)
Regie: Danial Shah | Mit: Muhammad Sakhi
Fotos: Stills aus Make It Look Real

 

17. November 2026 um 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

24FPS – Fotografie im Kurzfilm

The Spectacle ist eine kurze Dokumentation, die die Welt des modernen Tourismus erkundet. Gedreht an verschiedenen Orten in Europa, zeigt der Film die Verwandlung ruhiger Landschaften in belebte Touristenattraktionen. Was wird inmitten der inszenierten Momentaufnahmen unserer Reisen tatsächlich noch wirklich gesehen und empfunden? 

SE 2024, 20 Min, OmeU, Regie: Yasmin van Dorp

Hallo Aslı ist eine stille Reflexion einer Beziehung und geht der Frage nach, was es braucht, um sich darin wohl zu fühlen. 

DE 2023, 7 Min, OmeU, Regie: Josh Kern

Letizia Battaglia: Amore Amaro. Mit fast vierzig Jahren ließ die dreifache Mutter Letizia Battaglia (1935–2022) alles hinter sich, um Fotojournalistin zu werden. Mit außergewöhnlicher Intensität dokumentierte sie Palermo – den brutalen Einfluss der Cosa Nostra ebenso wie den Alltag seiner Bewohner. In diesem intimen Porträt erzählt sie ihre Geschichte anhand ihrer bekanntesten Fotografien.

IT 2012, 27 Min, OmeU, Regie: Francesco G. Raganato.

The World‘s Smallest Film Company. Es gab Kodak, Fujifilm und Ilford – und jetzt Lomig Perrotin in seiner Küche. Ganz allein entwickelte er seinen eigenen Film namens Washi, vom persönlichen Experiment bis zur Massenproduktion. Heute ist sein handgemachter Film stark gefragt. 

FR 2015, 26 Min, OmeU, Regie: Thomas Goupille. Teil der The Darkroom Rumour-Sammlung

Fotos: Stills aus The Spectacle (1,2), Hallo Aslı (3,4), Letizia Battaglia: Amore Amaro (5)

 

15. Dezember 2026 um 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

› Deutschlandpremiere

Die Fotografin Tish Murtha dokumentierte auf einfühlsame Weise die brutalen Auswirkungen des Thatcherismus im Norden Englands, konnte jedoch der Armut und Ungleichheit, die sie mit ihrer Arbeit sichtbar gemacht hat, selbst nicht entkommen. 

Angetrieben vom Wunsch, die Folgen der Deindustrialisierung für die Arbeiter im Nordosten Englands in den 1970er- und 1980er-Jahren fotografisch festzuhalten, nutzte Tish Murtha ihre Kamera, um die gesellschaftliche Spaltung auf eine sehr empathische Weise darzustellen. Sie war überzeugt davon, dass dokumentarische Fotografie soziale Benachteiligung sichtbar machen und hinterfragen kann. Trotz früher Anerkennung für ihre Arbeit gelang es ihr nicht, ihren Lebensunterhalt mit der Fotografie zu verdienen. Sie starb mit nur 56 Jahren an den Folgen eines Aneurysmas.

Großbritannien 2023, 90 Minuten, Originalfassung | FSK: 12
Regie: Paul Sng | Mit: Maxine Peake, Shin-Fei Chen, Ella Murtha
Foto: Still aus Tish

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